Die Geburt von Erichtonios entstand vermutlich zwischen 1510 und 1520 in einem Brüsseler Atelier. Es stellt die Geburt des sagenhaften vierten Königs von Athen dar, Sohn des Feuergottes Hephaistos und von Gaia, der Erdgöttin. Die majestätische Würde der Darstellung steht in deutlichem Kontrast zur bewegten Lebendigkeit der Zigeuner-Reihe.

Die so genannte Carrabara- oder Zigeuner-Reihe stammt aus dem Atelier von Arnould Poissonier in Tournai und entstand um 1500-1525. Im 16. Jahrhundert, als die Renaissance auch in Flandern Einzug gehalten hatte, war Tournai eines der wichtigsten nordwesteuropäischen Teppichwebezentren. Die verwendeten Materialien waren vor allem Wolle und Seide. Typische Details sind der detailliert gezeichnete Faltenwurf und die Pflanzenbüschel, die überall in der Landschaft auftauchen. Tapisserien aus Tournai waren wegen ihrer kräftigen, kontrastierenden Farben bekannt. Obwohl die Farben verblasst sind, spürt man noch immer einen Hauch vergangener Farbkraft. Vor allem die gelben Pigmente sind verschwunden, weshalb das ursprüngliche Grün, eine Mischung aus Blau und Gelb, immer blauer wird. Zigeuner, jenes fahrende Volk der Musikanten, Sänger und Wahrsager, wurden von ihrer Umwelt einerseits abgelehnt; andererseits faszinierten sie ihre Mitmenschen wegen ihrer geheimnisvollen Herkunft und ihrer fremdartigen Gebräuche. Auf den Wandteppichen sind alle diese Klischees dargestellt.

Die Wandteppichreihe Die Geschichte des Tobias entstand in einem Brüsseler Atelier (um 1530-1545). Die Farben sind weniger kräftig als die auf den Teppichen aus Tournai, dafür wurde mehr Wert auf die Perspektive und die lebensecht modellierten Figuren gelegt. Auch die Borten mit floralen und tierischen Motiven sind typisch für die Brüsseler Produktion. Die Symbolik der Borten bezog sich meistens auf das zentrale Thema des Teppichs. Brüsseler Tapisserien waren wegen ihrer Qualität, Linienführung und Größe bekannt. Die biblische Tobias-Geschichte war im 16. Jahrhundert sehr populär und wurde dementsprechend oft dargestellt. Diese Reihe umfasste ursprünglich acht Teppiche.

Die beiden Brüsseler Teppiche, die zwischen 1700 und 1730 im Atelier von Judocus de Vos gewebt wurden, stellen Die Gründung Alexandriens und Die Schlacht bei Arbela dar. Die Borte imitiert einen Bilderrahmen – ein deutlicher Hinweis auf die Tatsache, dass die Teppichwebekunst im Rückzug begriffen war und man eher dazu neigte, Gemälde zu kaufen. Ebenso wie die Borten veränderten sich auch die Darstellungen auf den Teppichen selbst. Im 16. Jahrhundert waren biblische Themen sehr beliebt, im 18. Jahrhundert bevorzugte man kriegerische und Schlachtenszenen.

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