GESCHEHEN

Alter Ego

25 April 2010 - 13 Juni 2010

Seit einigen Jahren entwickelt das Schloss ein neues Ausstellungskonzept, wobei jedes Mal ein kreativer Umgang mit dem Kulturerbe gepflegt wird. Ein historisches Haus ist schließlich kein heiliges Haus! Kulturerbe hat auch etwas damit zu tun, wer wir sind, hier und jetzt.

Als Marquise Arconati Visconti in das Schloss Gaasbeek einzog, schlüpfte sie in eine andere Haut. Sie wähnte sich hier als mittelalterlicher Page – sie ließ sich auch mehrmals verkleidet porträtieren. Das von ihr restaurierte Traumschloss im Neostil und die zahlreichen Objekte, die sie sammelte, dienten als Kulisse und dekorative Umrahmung Ihres ‘Alter Ego’.

Das Duo Job Smeets (° 1970) und Nynke Tynagel (° 1977) kreiert heute ‘Alter Egos’, Skulpturen, die sich an den Ikonen aus der nordeuropäischen (Kunst-)Geschichte orientieren, allerdings mit einem zeitgenössischen ‘Touch’. Studio Job steht mit einem Bein in den Dark Ages. Aus Unzufriedenheit mit dem Modernismus kehren sie zum vorindustriellen Zeitalter zurück. Sie nennen sich selbst ‘Design Criminals’ und grenzen sich von allem ab, wofür der Modernismus steht, wo Funktionalität Vorrang hat und Ornamente ein Tabu sind, als oberflächlich angesehen werden. Ihre Werke haben daher auch eine starke theatralische Wirkung. Sie experimentieren mit verlorenen Techniken und Materialien und verzichten bewusst auf Masse, sie produzieren nur einmalige Stücke oder in sehr begrenzter Auflage.

Das Historische ist nur ein Aspekt. Das Duo möchte hier und jetzt kommunizieren und benutzt Kultur als Humus, mit der sie mit comicartigen Ausführungen ironisch oder relativierend umgehen. Auf diese Weise erhalten die Ikonen und Archetypen eine neue, zeitgemäße Interpretation. Sie werden zu Metaobjekten: Artefakte, bei denen das Objekt Vorrang vor der Funktionalität hat, welche uns über Metapher und Symbole eine Geschichte bieten, die die Zukunft der Gegenwart anhand der Vergangenheit beschreibt.

Inspiration finden Job und Nynke in Schlössern und Kathedralen. Sie charakterisieren ihr gesamtes Oeuvre als ein großes, dreidimensionales Tagebuch: Jedes Objekt ist Teil einer Kollektion, die wiederum selbst Teil eines größeren Ganzen ist, also ein Work in Progress. In ihrem eigenen ‘Universum’ oder ‘Wonder- & Horrorland’ erhält ein Schloss (als Metapher für eine imaginäre Gesellschaft) die Hauptrolle.

Aus diesem Grund ist das Schloss Gaasbeek der ideale Ort für diese Ausstellung. Ältere und neue Werke treten in einen Dialog mit der historisierenden Ausstattung des Schlosses, stehen in einem Wechselspiel, um zu überraschenden, frische Konfrontationen zu kommen.

 
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